Yang Daofang (Dao Fang)

"Yang Daofang und die Weitergabe des Yang-Stil-Taijiquan" Die Frage "Wer ist Yang Daofang?" hat eine unbestrittene Antwort: "Yang Daofang ist der Vater von Yang Jun und wurd 1947 geboren. Er ist ein Sohn von Yang Zhenduo" (s. dazu auch DTB-Glossar und Personen-Register). Soweit die nüchternen Tatsachen - doch nur bei einem einzigen Clan der Yang-Dynastie, der in den USA ansässigen "Seattle-Fraktion" wird dieses Familienmitglied überhaupt öffentlich erwähnt - dafür aber erstaunlich häufig. Die "International Association" hat weltweit Mitglieder und ist im Rahmen des "Yang-Chengfu-Center-Syndroms" bekannt für ihre "Mission zum Wohle der Menschheit". Was ist also dran bei diesem "Yang-Daofang-Fetisch"? Es geht bei diesem "Name-Dropping" der Yang-Jun-Community um ihre offiziell verifizierbare Legitimation. Das Problem: Diese eigentlich notwendige Verifikation gibt es so gar nicht. Dieser Artikel von Dr. Stephan Langhoff erklärt einige der Hintergründe.

"Yang Daofang und die Weitergabe des Yang-Stil-Taijiquan von Generation zu Generation"

ein Exklusiv-Artikel von Dr. Langhoff

Tai Chi Zentrum Hamburg e. V. LogoDer Autor dieser Einführung, Dr. Stephan Langhoff gründete 1988 das Tai Chi Zentrum Hamburg e. V und machte daraus 1996 die zentrale Schule des DTB-Dachverbandes. Er untersuchte kürzlich in einem vielbeachteten Kompendium die Rolle von Yang Daofang in der Familien-Dynastie. Der promovierte Philologe ist seit Jahrzehnten für sein Fachgebiet, das "Traditional Yang Family Tai Chi Chuan" international bekannt und als Experte einschlägig ausgewiesen. Er ist im Vorstand des Tai Chi Zentrums. In dieser zentralen Schulungsstätte des DTB-Dachverbandes finden seit 1990 die Lehrerausbildungen für Krankenkassen-Zulassung statt. Dr. Langhoffs Seminare finden vorwiegend im Block-Unterricht (Intensiv-Wochen Mo-Fr) statt. DTB-Lehrerausbildung beinhaltet zusätzlich zu Yang-Chengfu-Tai-Chi-Form auch Fragen zu Linienhalterschaft, Generationen-Folge, Genealogie und Biografien der Familienmitglieder.

DDr. Langhoff betont: Ein guter Lehrer sollte seinen Schülern nichts vermitteln, was durch Faktencheck falsifizierbar ist - denn was wäre damit gewonnen? Er sollte daher z. B. die wichtigsten Hintergründe des sogenannten "Traditional Yang-Family-Taijiquan" so gut kennen, daß er auf Fragen seiner Schüler wahrheitsgemäß antworten könnte. Folgt er hingegen naiv dem vagen Narrativ von Yang Juns "International Association" und ihrer "Seattle-Romantik", so verletzt er m. E. seine eigentlich selbstverständliche Sorgfaltspflicht. Ein solcher Lehrer ist dann mitverantwortlich für Irrlehren einerseits und für die fehlende Abgrenzbarkeit zu Sekten und zur "neuen Religion" andererseits.

Warum ist Yang Daofang nicht wie vorgesehen ein Linienhalter geworden? Wer solche Fragen stellt, heimst dafür sicher kein Lob ein, denn bei solchen Recherchen wird schnell klar, wie ungesichert auch die Ansprüche auf Linienhalterschaft der Generationen vor Yang Daofang, also Yang Zhenduo, und nach Yang Daofang, also Yang Jun, sind. Und letztendlich bietet ja selbst Yang Chengfus Position als Linienhalter Raum für vielerlei Spekulationen. In Anbetracht all dieser unschönen Umstände war es sicherlich ein Befreiungsschlag, als Yang Jun 2018 verfügte, alle seine Schulen dürften die ursprünglichen Bezeichnungen nicht mehr nutzen. Denn damit wurden der Bezug auf Kampfkunst und auf die Person Yang Chengfus ja getilgt. Soweit die Theorie, doch de facto haben nur die allerwenigsten ihren Schulnamen der Weisung aus Seattle gemäß angepaßt (Stand Mai 2019). Man darf gespannt sein, ob dieser jüngste IA-Beschluß und der "Yang-Daofang-Komplex" auf dem bevorstehenden 3. Tai-Chi-Symposium in Selvino (Italien) zur Sprache kommt.

Lehrende des Yang-Stil-Taijiquan werden nicht darum herum kommen, etwas über die Meister der Familie zu sagen - und über die angeblichen, die in der Tradition aber in Wahrheit keinerlei Rolle spielen. Typischerweise wird bei den Protagonisten natürlich der Begründer Yang Luchan erwähnt. Reverenz erwiesen wird häufig auch dem Standardisierer Yang Chengfu. Doch dann spaltet sich die Lehrerschaft in zwei Richtungen: Die Brüder Yang Shouchung und Yang Zhenduo werden in der Szene kontrovers diskutiert. Dem Yang-Chengfu-Enkel Yang Daofang fällt dabei eine eher komische Rolle zu und zwar ausschließlich beim "Seattle-Shanxi-Clan".

Irgendetwas kann nicht stimmen mit einer Community, die ständig den Namen Yang Daofang herausposaunt, ohne weitere Details über die Person zu diskutieren! Dafür muß es ja einen Grund geben. Jedenfalls ist Yang Daofang kein Linienhalter der Yang-Familie. Das daraus resultierende ungute Gefühl wird zwar typischerweise tabuisiert aber es ist trotzdem symptomatisch für das "Yang-Chengfu-Center-Syndrom". Eins steht somit fest: Die mantra-artige Yang-Daofang-Nummer sagt mehr aus über die Erwähner als über die Person! Die "Name-Dropper" gehören zur Gefolgschaft des Großmeisters Yang Jun. Dieser wurde von seinem Großvater Yang Zhenduo und Vertretern der anderen Haupt Taiji-Stile zum Linienhalter proklamiert. Mit Yang Daofang mußte ein nicht vorhandener Überlieferer künstlich inszeniert werden - entgegen jeglicher Realität. Das "Yang-Daofang-Fetisch" stellt ein Musterbeispiel dar für all das, was man als "Inszenierte Wirklichkeiten" des "Seattle-Clans" bezeichnen kann.

Hausarbeiten "Wer ist Yang Daofang?"

DTB-Lehrerausbildung: Einige der Hausarbeiten, die im Rahmen der DTB-Ausbildungen angefertigt wurden, behandelten das Thema "Yang-Family-Tai-Chi-Chuan". Die gestellte Aufgabe beinhaltete auch einen Biographie-Vergleich von Großmeister Yang Zhenduo (4. Generation), seinem recht unbekannten Sohn Yang Daofang (5. Generation) und seinem Enkel Linienhalter Yang Jun (6. Generation). Stets geht es dabei auch um die Recherche von ungefilterter, belegbarer Information zu einzelnen Personen dieser chinesischen Dynastie. Entscheidende Erkenntnisse liefert auch hier erst der "Blick über den Tellerrand".

Bei den Hausarbeiten kam es auch zu Verwechslungen - eigentlich kein Wunder, denn die chinesischen Namen machen deutschen Taiji-Qigong-Lehrenden erhebliche Probleme. Daher der Tipp: Immer zuerst die Namen (und am besten auch ihre Varianten "verinnerlichen" und erst dann mit der eigentlichen Recherche beginnen. Auf keinen Fall sollte man Yang Daofang mit Yang Jun verwechseln! Ein Team erstellte dazu Einträge in das DTB-Glossar und Personen-Register.

DTB-Stundenbild "Wer ist Yang Daofang?"

DTB-Lehrerausbildung: Es wurde recherchiert, daß Yang Daofang weder bei den übrigen Clans der Familie Yang noch bei den Meistern der anderen Taiji-Stile ein Thema sind. Auch andere Kampfkunst-Stilrichtungen erwähnen ihn, nach allem, was man weiß, nicht. Es wurde auch vermerkt, daß von Yang Daofang keine Fotos, kein Lebenslauf und keine Schüler-Aussagen aufzufinden sind. Es gibt auch keinerlei Berichte über Seminare, die er geleitet hätte oder bei denen er anwesend gewesen wäre. Auch gemeinsames Auftreten mit den anderen Meistern der Yang-Familien-Dynastie ist nirgends dokumentiert und offenbar nicht existent. Wettbewerbe oder Meisterschaften sind offenbar auch keine Orte, an denen man auf das "missing Link" Yang Daofang treffen könnte. Da überrascht es nicht, daß es auch in den Socialmedia keine Spur von ihm gibt. /p>

Sein Sohn Yang Jun hat erst kürzlich das "Geheimnis" offiziell gelüftet: Sein Vater fiel aufgrund politischer Ereignisse als Überlieferer "von Generation zu Generation" aus. Yang Zhenduos Rolle umfaßte somit eine Art Ersatz-Vater. Mit seiner Aussage verriet Yang Jun allerdings Insidern nichts neues - denn diese wußten längst bescheid. Aber es fällt auf, daß er damit Aussagen seiner offiziellen Homepage Yangfamilytaichi.com, die wohl von seinem Großvater stammen, klar widerspricht.

Yang Daofang (Dao Fang) - unterbrochene Kontinuität in der "Lineage"

Yang Daofang ist der Sohn von Yang Zhenduo und der Vater von Yang Jun. In dieser biologischen Rolle wird er in in der Community auch oft kurz erwähnt. Doch mehr ist über ihn garnicht bekannt - es gibt keinen Lebenslauf, keine Biographie, keine Fotos, keine Bücher und keine Interviews. Und dies hat Methode, denn Yang Daofang ist ja keineswegs der erwünschte und eigentich notwendige Großmeister in der 5. Generation der Yang-Familie. Yang Daofang ist kein Protagonist des "traditional Yang Family Taijiquan" - und die Dynastie der Familie Yang hat damit ein grundlegendes Problem mit Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Und mehr noch: Da die traditionelle Lesart der ungebrochenen Überlieferung und Linienhalterschaft das "Yang-Daofang-Bindeglied" erfordert, ist die pflichtschuldige Yang-Daofang-Erwähnung im Grunde der "Political Correctness" geschuldet. Dies fördert Illusionen und Fiktionen. Diese Irreführungen sind naturgemäß im Interesse der "Seattle-Heilslehre zum Wohle der Menschheit" und sind Teil der Strategie zur Absicherung der beanspruchten Deutungshoheit. Doch ein guter Lehrer sollte die Fakten und Hintergründe des "Yang-Chengfu-Center-Syndroms" kennen, um auf Fragen seiner Schüler faktentreu antworten zu können. Folgt er treu der "Seattle-Romantik", so ist er mitverantwortlich für Fehlentwicklungen einerseits und für die fehlende Abgrenzbarkeit zu Sekten und zur "neuen Religion" andererseits.

Yang Daofang (Dao Fang) - die richtige Einordnung

Ich vermute, daß ein großer Teil der Yang-Stil-Praktizierenden den Namen Yang Daofang noch nie gehört hat - und nie hören wird. Warum auch? Weder ist er ein Meister noch leitet er Seminare. Auch viele Yang-Jun-Schüler werden dies wissen und es bleibt rätselhaft, warum sie diese "Alibi-Rolle" so widerspruchslos hinnehmen. Allerdings sind ja in der letzten Dekade ca. 70% aus Yang Juns Association ausgetreten. Dieser Mitgliederschwund spricht ja eine klare Sprache und zeigt den hohen Grad von Unzufriedenheit in der Community.

Noch ein zweites Ereignis wird den Widerspruch nun mindern helfen - die Namensänderung aller Yang-Jun-Schulen: Yang Jun hat seinen Yang-Chengfu-Tai-Chi-Chuan-Centern quasi über Nacht einen neuen Namen verordnet. Sie müssen sich jetzt "Yang-Family-Tai-Chi-Center" nennen. Dieser nach seiner Aussage kommerziell motivierte Schachzug hat aber auch den für die Association günstigen Nebeneffekt, daß Kampfkunst und die angebliche Überlieferung über jede Generation nicht mehr im Namen erscheint und damit - Nomen est Omen - auch aus dem Blickfeld verschwinden wird.

Weiterführende Links

http://www.nairiki.posture-inside.com/yang-daofang.html 

http://www.yang-chengfu-center.posture-inside.com/p-yang-daofang.html 

http://www.yang-family-taichichuan.stephan-langhoff.info/yang-family.html 

https://tai-chi-qigong-verband.de/dtb-yang-daofang.html

Yang Daofang

Fazit / Überblick

Dr. Langhoff faßt seine Stammbaum-Recherche folgendermaßen zusammen: Yang Dao Fang hat offenbar selbst keine Meisterschüler. Er ist kein Linienhalter und er tritt nach außen nicht in Erscheinung. Vielmehr beziehen sich Großmeister Yang Zhenduo und Großmeister Yang Jun lieber auf den Altmeister Yang Chengfu. Diese Meisterschaft der 3. Generation und das gesamte Familienerbe wurde über Yang Dao Fang weitergegeben - diesen Guru-Kult suggeriert zumindest die mantra-artige Erwähnung auf den einschlägigigen Internetseiten der "Seattle-Community". So ist eine mißliche Gemengelage von Irreführungen und Halbwahrheiten entstanden, an deren Beseitigung nur wenigen gelegen scheint. Ich jedenfalls möchte die Hintergründe auch für den Nicht-Fachmann transparenter machen.

Update Tuishou

Mit dem Push-Hands-Thema sind wir mittendrin im Herzen des Taijiquan und Qigong - und bei der Suche nach der richtigen Schule ist kritisches Nachfragen durchaus angebracht. Tuishou-Unterricht in Deutschland ist je nach Methodik, Lernziel und Zielgruppe unterschiedlich strukturiert. Gleiches gilt für Lehrerausbildungen: Die Qualität der Ausbilder variiert stark. Es fällt schon Laien auf, wie groß die Unterschiede in Kompetenz und Qualifikation sein können. Quelle: Tuishou: Push-Hands-Treffen Ausbildung.

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